Lernen › Lernpfad 02 · Ausrüstung & Physik

Visierung, Lichtspalte & Klicks

Deine Visierung besteht aus zwei Stücken Metall, 30 bis 40 cm voneinander entfernt: einer Kimme nah an deinem Auge und einem Korn nah an der Mündung. Winzige Fehler zwischen den beiden werden auf dem Weg zur Scheibe vergrößert. Wie stark?

Erst nachdenken: Dein Korn sitzt 0.1 mm außermittig in der Kimme. Die Visierlänge beträgt 350 mm. Wie weit von deinem Haltepunkt entfernt landet der Schuss auf 10 m?

Dieser Unterschied zwischen Winkelfehler (Visierung falsch ausgerichtet) und Parallelverschiebung (ganze Pistole verschoben, Visierung noch ausgerichtet) ist der Grund für diese Lektion. Spiel mit den Zahlen:

Ein falsches Visierbild kostet etwa dreißigmal mehr als ein Haltepunkt, der wandert, während die Visierung ausgerichtet bleibt. Eine gute Visierung ist eine, mit der du das Visierbild schnell und bei jedem Schuss gleich beurteilen kannst. Die Technik dazu findest du unter Visierbild vs. Zielbild.

Was die Regeln erlauben

Nur offene Visierungen. Verboten sind: Visierungen mit Lichtleitern, lichtsammelnden oder reflektierenden farbigen Elementen; optische Visiere, Spiegel-, Zielfernrohr-, Laser- oder Leuchtpunktvisiere; jede Vorrichtung, die die Pistole auslöst oder signalisiert, wann geschossen werden soll; Schutzabdeckungen auf der Visierung. Die Pistole muss mit montierter Visierung in die Messbox passen.

Erst nachdenken: Welche Änderung hält deine Pistole regelkonform?

  • Ein roter Lichtleiter im Korn, damit es sich abhebt
  • Ein schmaleres Korn aus dem Zubehörsatz des Herstellers
  • Ein kleines Leuchtpunktvisier auf einer Schiene, nur für die Probeschüsse

Visierlänge

Die Visierlänge ist der Abstand zwischen Kimme und Korn. Bei Spitzenpistolen kannst du das Korn verschieben, um sie zu ändern.

PistoleVerstellbare Visierlänge
Feinwerkbau P8X330–400 mm
Morini CM 162EI310–350 mm
Pardini K12340–385 mm
Steyr Evo 10 (Compact)316–365 mm (266–315 mm)
Walther LP500etwa 338–399 mm

Eine längere Visierlänge macht jeden Fehler im Visierbild billiger. Bei 330 mm wird ein Fehler etwa 30-fach vergrößert, bei 400 mm 25-fach. Beweg den Schieberegler im Rechner oben, um es zu sehen. Der Preis dafür: Das Korn sitzt weiter von deinem Auge entfernt, wirkt also schmaler, und die Lichtspalte daneben wirken breiter.

Korn, Kimme und Lichtspalte

Korn und Kimme gibt es in verschiedenen Breiten. Feinwerkbau zum Beispiel bietet Korne von 3.6 bis 5.1 mm in Schritten von 0.3 mm und Kimmen von 2.0 bis 8.5 mm Breite an. Bei Steyr ist die Kimme 2 bis 6 mm breit und 1 bis 3 mm tief.

Zusammen bestimmen sie die Lichtspalte: die hellen Streifen, die du links und rechts neben dem Korn siehst. Ein korrektes Visierbild heißt: Die Oberkante des Korns ist auf gleicher Höhe mit der Oberkante der Kimme, mit gleich viel Licht auf beiden Seiten. Vergleiche drei Kombinationen:

Erst nachdenken: Im linken Bild sind die Lichtspalte nur dünne Lichtstreifen. Was geht schief, wenn die Pistole wackelt?

  • Nichts: Schmale Lichtspalte sind am präzisesten
  • Die Streifen schließen und öffnen sich, also verlierst du den Bezug, den du brauchst, um das Korn mittig zu halten
  • Die Scheibe wird unschärfer

Lichtspalt : Korn : Lichtspalt von etwa 1 : 2 : 1 ist ein üblicher Ausgangspunkt, keine Regel. Ältere Augen wollen meist breitere Lichtspalte. Ändere Kornbreite, Kimmenbreite oder Visierlänge immer nur einzeln und beurteile es über eine ganze Trainingseinheit.

Probier selbst, das Korn auszurichten:

Klicks und Kalibrierung

Die Kimme wird in Klicks verstellt. Die Hersteller geben einen Klickwert an: Bei der Pardini K12 verschiebt ein Klick den Schuss auf 10 m um 1.8 mm.

Die Klickwerte, die sich für andere Pistolen finden, sind nicht bestätigt (eine Quelle nennt 0.8 mm pro Klick der Seitenverstellung bei der Walther LP500). Nimm jeden veröffentlichten Wert als Ausgangspunkt und miss deinen eigenen.

So misst du deinen eigenen Klickwert:

  • Schieß ein Trefferbild mit deiner normalen Haltung und deinem gewohnten Schussablauf.
  • Verstell die Kimme um 10 Klicks in eine Richtung, zum Beispiel nach oben.
  • Schieß auf dieselbe Weise ein zweites Trefferbild.
  • Miss den Abstand zwischen den Mittelpunkten der beiden Trefferbilder und teil ihn durch 10. Das ist dein Klickwert.

Für das Verstellen der Kimme gilt eine einfache Regel: Verstell sie in die Richtung, in die das Trefferbild wandern soll.

Erst nachdenken: Der Mittelpunkt deines 10-Schuss-Trefferbilds liegt 9 mm links von der Mitte. Ein Klick der Seitenverstellung verschiebt den Schuss um 1.8 mm. Wie viele Klicks nach rechts?

Üb die Korrekturen in der Simulatorübung Visierverstellung, und lies unter Trefferbilder, MTP & Visierverstellung, wie du das Trefferbild selbst liest.

  • Ein Winkelfehler (im Visierbild) wird auf 10 m um etwa 10 000 ÷ Visierlänge vergrößert; eine Parallelverschiebung nur 1 : 1.
  • Nur offene Visierungen: keine Lichtleiter, keine Optik, keine Leuchtpunkte, Laser, Signale oder Abdeckungen auf der Visierung.
  • Eine längere Visierlänge macht Fehler im Visierbild billiger, lässt das Korn aber schmaler wirken.
  • Die Lichtspalte müssen während der Haltebewegung sichtbar und gleich breit bleiben. 1 : 2 : 1 ist ein Ausgangspunkt.
  • Miss deinen Klickwert mit einer Verstellung um 10 Klicks und verstell die Kimme in die Richtung, in die das Trefferbild wandern soll.

← Diabolos & Lostest · Der Abzug & die 500-g-Kontrolle →